Nachhaltigkeitsstrategie

Nachhaltigkeitsstrategie für die Kapitalanlage
der Philips Pensionskasse (VVaG)

 

Stand: Januar 2022
 

Präambel

 

Die Themen der Nachhaltigkeit, als Zusammenfassung der ökologischen, der sozialen und der eine verantwortungsvolle Unternehmensführung betreffenden Entwicklungen, beeinflussen unmittelbar und global das zukünftige gesellschaftliche Zusammenleben sowie jede Wirtschaftstätigkeit und Staatsführung.

 

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten insbesondere bei der Kapitalanlage bietet die Möglichkeit, einen Beitrag zur Erreichung einer klimaverträglichen und nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten, wie sie u. a. in der Agenda 2030 der UN mit ihren 17 Sustainable Development Goals (SDGs) definiert ist.

 

Somit haben Nachhaltigkeitsfragen und die damit verbundenen Chancen und Risiken einen maßgeblichen Einfluss auf jede Kapitalanlagetätigkeit. So werden u. a. die Geschäftspraktiken und die Ertragspotenziale von Unternehmen und damit deren Bonität, Dividendenfähigkeit und Aktienkursentwicklung zunehmend von der Beachtung der Nachhaltigkeit beeinflusst. Auch andere Assetklassen, wie z. B. Immobilien, stehen unter steigenden Anforderungen zur Berücksichtigung von Aspekten der Nachhaltigkeit.

 

Aus diesen Gründen berücksichtigt die Philips Pensionskasse (VVaG), kurz Pensionskasse, ausgewählte Nachhaltigkeitskriterien – in Abhängigkeit von der jeweiligen Anlageart – in Teilen der strategischen Anlagetätigkeit.
Die Pensionskasse versucht auf diese Weise Ihren Beitrag zur Erreichung oder zumindest Verbesserung der unter E (environment), S (social) und G (governance) zusammengefassten globalen Nachhaltigkeitsziele zu leisten und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.

 

Grundlagen/Ziele

 

Neben den etablierten Zielen Rendite, Liquidität, Qualität, Sicherheit und Verfügbarkeit stellt die Nachhaltigkeit der Kapitalanlagen ein weiteres wesentliches Element der Anlagetätigkeit der Pensionskasse dar.

 

Aus der Nichtberücksichtigung möglicher Nachhaltigkeitsaspekte können sich u. a. Bewertungs- und Ausfallrisiken, z. B. Kursrückgänge bei Aktien oder Ausfälle bei Anleihen von solchen Unternehmen, die nicht nachhaltig wirtschaften oder als in problematisch eingeschätzten Branchen tätig sind, ergeben und für die Kapitalanlage der Pensionskasse potentielle oder tatsächliche Anlagerisiken darstellen.

 

Mit Blick auf den Klimawandel sind neben physischen auch die sogenannten Transitionsrisiken, wie politisch motivierte Veränderungen der Rahmenbedingungen für einzelne Branchen, beispielsweise der Kohleausstieg oder das Verbot des fossilen Verbrennungsmotors, steigende CO2-Preise im Emissionshandel oder Haftungsrisiken bei Umweltverschmutzungen für den Anlageerfolg der Pensionskasse relevant.

 

Nachhaltigkeit bildet in der Pensionskasse allerdings kein übergeordnetes oder das primäre Anlageziel, da es die vorrangige Aufgabe der Pensionskasse ist und bleibt, eine für die Mitglieder möglichst auskömmliche und sichere Rendite mit den Kapitalanlagen zu erwirtschaften.

 

Der Einbezug von Nachhaltigkeitskriterien in der Kapitalanlage unterstützt die Pensionskasse aber bei der Identifikation und beim Management von nachhaltigkeitsbezogenen Risiken und kann mittel- und langfristig auch neuartige und zusätzliche Ertragschancen eröffnen.

 
 

Wesentliche strategische Festlegungen zu einzelnen Anlagearten


a) Wertpapiere

 

Für alle Anlagen im Wertpapierbereich werden klar definierte Anforderungen in Bezug auf ausgewählte ESG-Kriterien gestellt.
 
Im Einzelnen nutzt die Pensionskasse derzeit die folgenden ESG-Vorgaben für die Wertpapier-Direktanlagen und alle an Asset Manager vergebenen Wertpapier-Mandate:

 

  • Einhaltung eines Mindest-ESG-Gesamtscores für die jeweiligen Portfolien insgesamt
  • Einhaltung eines maximalen Carbon-Footprints für die jeweiligen Portfolien insgesamt
  • Einhaltung eines Mindest-ESG-Ratings für die Emittenten von Anleihen inkl. maximale Quoten für unter ESG-Gesichtspunkten nicht bonitätsmäßig erfasste („geratete“) Emittenten von Anleihen
  • Einhaltung eines Mindest-ESG-Ratings für Aktien inkl. maximale Quoten für unter ESG-Gesichtspunkten nicht geratete Aktien

 
Neben den genannten eigenen, auf der ESG-Systematik des Datenlieferanten „MSCI ESG“ beruhenden, Grenzvorgaben beachtet die Pensionskasse auch normbasierte Prinzipien, d. h. anerkannte Definitionen internationaler Organisation, wie den „UN Global Compact“, bei der Festlegung von ESG-Anlagezielen. Es wird hierbei z. B. hinterfragt, zu wie viel Prozent ein externes Mandat die 10 Prinzipien des Global Compact abdeckt.

 

Die jeweiligen ESG-bezogenen Kriterien werden individuell je nach Anlageart und Anlagestil der beauftragten Asset Manager definiert.

 

Alle Asset Manager von Wertpapiermandaten sollen in erster Linie eine Outperformance ggü. etablierten, traditionellen Benchmarken erzielen, spezielle ESG-bezogene Benchmarken kommen deshalb nicht zum Einsatz.

 

Die Pensionskasse schließt grundsätzlich Unternehmen und Staaten vom Investment aus, deren Geschäftstätigkeit bzw. Staatsführung mit besonders hohen nachhaltigkeitsbezogenen Risiken verbunden ist. Die Ausschlüsse beziehen sich aktuell auf:

 

  • Unternehmen, die direkt in die Herstellung und den Vertrieb von Waffen aller Art involviert sind (sogen. „direct involvements“)
  • Länder, die zu den 20 % schlechtesten Staaten der Welt gem. dem aktuellen „Corruption Perceptions Index“ von Transparency International gehören; der Ausschluss gilt auch für Gebietskörperschaften der Länder, also Bundesländer und Kommunen

 

Derivative Finanzinstrumente (in den Wertpapier-AIF) sind kein Gegenstand der Nachhaltigkeitsstrategie, da sie im externen ESG-Berichtswesen der Master-KVG (derzeit) nicht berücksichtigt werden können.

 

Im Rahmen der mit der Aktienanlage verbundenen Stimmrechte nimmt die Pensionskasse über eine Dienstleistung der Master-KVG für die Wertpapieranlagen bzw. die Verwahrstelle einen gewissen Einfluss auf die Beachtung des Nachhaltigkeitsgedankens bei börsennotierten Unternehmen.

 

Für die Festlegung der Empfehlungen zur Stimmrechtsausübung arbeitet die Master-KVG ihrerseits mit einem externen Fachberater zusammen und folgt dabei national den BVI-Analyse-Leitlinien und international der länderspezifischen Regulierung sowie einschlägigen Governance-Vorgaben.

 

In den Hauptversammlungen der Aktiengesellschaften selbst werden die erarbeiteten Empfehlungen dann von der Verwahrstelle vorgetragen.

 

Eine über die beschriebene Stimmrechtsausübung hinausgehende explizite „Engagement-Politik“ wird mangels vorhandener interner Ressourcen nicht verfolgt.


b) Immobilien

 

Im Bereich der direkt gehaltenen Immobilienanlagen bestehen folgende ESG-Vorgaben:

 

  • Ausschluss ausgewählter gewerblicher Mieter, wie z. B. Glückspielhallen, Waffengeschäfte, reine Tabak- und Alkoholläden sowie Sexshops
  • Für alle Objekte sollen Verbrauchs- und/oder Bedarfsausweise vorliegen
  • Im Rahmen der jährlichen Budgetplanungen für Instandhaltungsmaßnahmen sind grundsätzlich Mittel für eine Verbesserung der Nachhaltigkeit der Objekte vorgesehen (sofern entsprechende Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sind und dazu beitragen, tatsächlich nachhaltige Ziele zu erreichen)
  • Soweit unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkt angeraten, sollen die einzelnen Objekte regelmäßig einem ESG-Scoring unterzogen werden

 
Bei den indirekten Immobilienanlagen müssen die seitens der Asset Manager angewandten Nachhaltigkeitsansätze prinzipiell akzeptiert werden, da die Spezialfonds bereits weitgehend oder voll investiert sind und die Pensionskasse stets nur ein Teil einer Investorengemeinschaft ist.

 

Allerdings nutzt die Pensionskasse im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die Anlageausschusssitzungen dafür, die Asset Manager zu einer stärkeren Berücksichtigung von Nachhaltigkeit aufzufordern und darüber transparent zu berichten.


c) Infrastruktur

 

Die Beteiligungen für Erneuerbare Energien-Projekte erfahren keine spezielle ESG-Behandlung, da sie die Nachhaltigkeitskriterien in idealer Weise erfüllen.

 

Die zuletzt gegebenen Zusagen für Erneuerbare Energien Projekte (und auch für einige Immobilien-Mandate) erfolgten u. a. an solche Produkte, die die Vorschriften der Artikel 8 und/oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung umsetzen. Der entsprechende Nachweis für die Eingruppierung wird über Zertifizierungen der Produkte durch unabhängige Ratingagenturen erbracht. Eine interne Überprüfung der Ausweise geschieht mangels vorhandener Kapazitäten nicht.


d) Rohstoffe

 

In Falle von Rohstoffanlagen sind Finanzprodukte von der Anlage ausgeschlossen, deren Wertentwicklung unmittelbar von der Preisentwicklung von Grundnahrungsmitteln abhängt.

 
 

Controlling/Risikomanagement

 

Nachhaltigkeitsrisiken stellen grundsätzlich keine neue Risikoart dar, sondern wirken sich auf die bereits bekannten Risikoarten, wie z. B. Marktpreis-, Kredit- oder ggf. operationelle Risiken, aus. Dies gilt neben Risiken für die Finanz- und Ertragslage vor allem auch für denkbare Reputationsrisiken.

 

Nachhaltigkeitsrisiken werden daher im Rahmen des Risikomanagements der Pensionskasse, d. h. bei der Risikobewertung und Risikosteuerung, in einem angemessenen Umfang bei Stresstest- und Simulationsrechnungen berücksichtigt. Zudem werden mögliche ESG-Risiken bei den Festlegungen von Risikobudgets für die Kapitalanlage einbezogen.

 

Die Kontrolle der genannten ESG-Grenzen/-Vorgaben im Rentenpapier- und Aktienbereich erfolgt anhand aussagekräftiger Berichte der Master-KVG für die Wertpapieranlagen. Diese wiederum basieren auf der Systematik des auf ESG-Themen spezialisierten Datenanbieters „MSCI“.

 

Dabei wird auch ausgewiesen, welchen Beitrag die in den Portfolios investierten Emittenten/Unternehmen zur Erreichung der SDGs leisten. Basis der Analyse ist der Umsatzanteil, den die Emittenten mit Produkten und Leistungen erwirtschaften, die mindestens eines der 17 SDGs unterstützen.

 

Die Asset Manager im Wertpapierbereich sind verpflichtet, regelmäßig einen eigenen ESG-Bericht vorzulegen, welcher den jeweiligen Umgang mit dem Nachhaltigkeitsgedanken und die Einhaltung der vorgegebenen ESG-Vorgaben aufzeigt.

 

Generell mandatiert die Pensionskasse nur noch externe Wertpapier-Asset Manager, die die PRI („Principles for Responsible Investment“) unterzeichnet haben, diese Leitlinien einhalten und einen Mindestscore im Sinne des PRI Rankings erreichen sowie jährlich einen Fortschrittsbericht vorlegen. Die Mindestanforderung bezogen auf das PRI Ranking bezieht sich dabei auf die Hauptkategorie „ESG – Allgemeine Nachhaltigkeitsstrategie und Unternehmensführung“.

 

Die zu beachtenden ESG-Kriterien sind stets ein verbindlicher Bestandteil der Anlagerichtlinien für alle Wertpapier-Mandate und die Eigenanlagen in festverzinslichen Wertpapieren. In den jährlichen Anlageausschusssitzungen mit allen externen Asset Managern werden die ESG-Themen ausführlich besprochen.

 

Hält ein Asset Manager eines Wertpapiermandates die vorgegebenen Nachhaltigkeitskriterien längerfristig und trotz entsprechender Hinweise nicht ein, so kann es zu einem Managerwechsel aus diesem Grund kommen.

 

Die ESG-Kriterien für die Immobilienanlagen werden laufend vom Controlling der Pensionskasse intern überwacht. Bei Verstößen findet eine Rücksprache mit der externen Hausverwaltung oder den Asset Managern statt.

 

Zu den Aspekten der Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage arbeitet die Pensionskasse fallweise mit einem auf diese Fragestellungen spezialisierten Institut zusammen.

 

Berichtswesen/Kommunikation

 

Die laufende Überwachung der Nachhaltigkeit in den Kapitalanlagen ist ein fester Bestandteil des internen Berichtswesens der Pensionskasse sowie der turnusmäßigen Berichterstattung an den Aufsichtsrat.

 

Dem Aufsichtsrat der Pensionskasse wird zudem die jährlich überarbeitete Unterlage zur Nachhaltigkeit in der Anlagepolitik zur Verfügung gestellt. Der Inhalt wird mit dem Gremium ausführlich diskutiert.

 

Des Weiteren wird die „Nachhaltigkeitsstrategie für die Kapitalanlage“ in der Geschäfts- und der Risikostrategie, der internen Kapitalanlagerichtlinie und der Beschreibung der generellen Anlagepolitik der Pensionskasse berücksichtigt.

 

Im Rahmen des eigenen Internetauftritts wird die „Nachhaltigkeitsstrategie für die Kapitalanlage“ der Pensionskasse veröffentlicht.

 

Alle Versicherten, die Mitgliedervertreter und die Aufsichtsbehörde erhalten die Nachhaltigkeitsstrategie auf Anforderung schriftlich ausgehändigt.

 

Ausblick

 

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in der Kapitalanlagepolitik versteht die Pensionskasse als einen fortdauernden Prozess.

 

Die „Nachhaltigkeitsstrategie für die Kapitalanlage“ wird deshalb jährlich vom Gesamtvorstand überprüft und sukzessive weiterentwickelt, insbesondere sofern sich neue (aufsichts-)rechtliche Vorgaben und/oder neue Entwicklungen an den Kapitalmärkten, wie z. B. Marktstandards, ergeben sollten.

 

Mit der zunehmenden Einbeziehung von ausgewählten Nachhaltigkeitskriterien in die Anlagepolitik denkt die Pensionskasse vor allem auch dem zunehmenden Bedürfnis der aktuellen und möglichen neuen Mitglieder nach ESG-konformen Kapitalanlagen gerecht zu werden. Insgesamt sollte dieser Umstand die Attraktivität einer Mitgliedschaft in der Pensionskasse merklich erhöhen.

 

Die vorliegende „Nachhaltigkeitsstrategie für die Kapitalanlage“ der Pensionskasse wurde vom Gesamtvorstand am 16.12.2021 besprochen und genehmigt. Sie ist gültig ab dem 01.01.2022.

 
 

Philips Pensionskasse (VVaG)
– Der Vorstand –