Aktuelles

vom Kapitalmarkt

per 30.09.2018

 

Das Sommer-Quartal war von diversen schlechten Rahmenbedingungen und Krisen geprägt, so dass es zu sehr unterschiedlichen Wertentwicklungen der Kapitalmärkte kam.

 

Während die amerikanischen Börsen weiter haussierten (mittlerweile längster Aufschwung aller Zeiten!) und sich die japanischen Aktien erholten, stagnierte per Saldo der Dax und die chinesische Börse gab nach.

 

Die deutschen Renditen veränderten sich im Berichtszeitraum per Saldo kaum. Hingegen stiegen die Zinsen in den USA erkennbar an. Im Ergebnis weitete sich so die Zinsdifferenz zusätzlich aus und betrug Ende September rund 3,4 % bei zweijährigen (die jüngste Leitzinserhöhung der FED um 0,25 % fand wie erwartet Ende September statt) und rund 2,6 % bei zehnjährigen Staatsanleihen. Nach diesen Entwicklungen gibt es erstmals seit vielen Jahren in den USA wieder einen positiven risikolosen Realzins, der es möglich macht, Gelder in Liquidität vorzuhalten – in der Eurozone wird es wohl noch Jahre für eine solche Situation brauchen.
Da sich der US-Dollar ggü. dem Euro weiter festigte, waren Engagements in US-Anleihen für Euro-Anleger im Fazit lukrativ.

 

Insbesondere alle Anlagen in Schwellenländern litten erheblich unter den steigenden US-Zinsen, da speziell amerikanische Anleger Mittel aus den Regionen abzogen und im eigenem Land zu Renditen über 3 % anlegten. Die Kapitalabflüsse drückten vor allem auf die Währungen der Länder, die Importüberschüsse aufweisen, wie z. B. die türkische Lira, der argentinische Peso und der südafrikanische Rand. Insgesamt gerieten diese Länder so näher an den Abgrund bzw. sind auf ausländische Stützmaßnahmen angewiesen. Der Dollar belastete die Volkswirtschaften und Unternehmen der Schwellenländer auch deshalb, da diese sich primär in der US-Währung verschuldet haben.
Im September erhöhte die türkische Notenbank als vertrauensbildende Maßnahme den Leitzins auf 24 %. Zuvor war die Rendite zweijähriger türkischer Staatsanleihen auf über 25 % angestiegen und die Lira um 25 % ggü. dem Dollar eingebrochen.
Insgesamt war 2018 bisher das schlechteste Jahr für Schwellenländeranleihen (in Euro) der letzten zehn Jahre.

 

China wies zuletzt ungünstige Daten zur Industrieproduktion, zu den Einzelhandelsumsätzen, den Investitionen und der Kreditvergabe aus. Im Ergebnis führt der Handelskrieg mit den USA also zu einer merklichen Belastung der wirtschaftlichen Dynamik des Landes und hat so Einfluss auf viele Anrainerstaaten und die Schwellenländer generell. Der Yuan stürzte im Sommer als Folge der verschlechterten Gesamtlage und aus Sorge vor weiteren Zöllen drastisch ab.

 

Überraschend ist weiterhin, dass Edelmetalle bisher nicht von den Unsicherheiten profitieren können. Die Gründe sind der starke Dollar und die zunehmenden Opportunitätskosten, sprich der fehlende laufende Ertrag vs. den erhöhten (US-)Zinsen.

 

Obwohl prinzipiell keine Knappheit herrscht, stieg der Ölpreis auf über 80 $ an (höchster Stand seit vier Jahren). Hierfür waren der Irankonflikt, die Probleme in/mit Venezuela und Russland sowie die Entscheidung großer Produktionsländer, die Fördermengen nicht zu erhöhen, ursächlich. Viele Marktteilnehmer glauben, dass der Preis für ein Barrel Rohöl die 100 Dollar-Marke erreichen könnte.

 

Folgende wirtschaftliche und politische Problemthemen belasteten im Fazit die Märkte in den letzten Wochen: höhere US-Zinsen, Handelskonflikte/Strafzölle USA vs. China/Türkei/Russland/Iran, steigender Ölpreis, Turbulenzen in Schwellenländern, Unruheherde in Italien und wieder in Griechenland (erneute Schuldenkrise?) und die Sorge vor einem ungeordneten harten Brexit. Ansonsten galt weiterhin „mit Donald Trump ist nichts unmöglich“.
Vor allem die letzten drei Themen belasteten Europa. So sind u. a. die zehnjährigen italienischen Renditen mit über 3,4 % auf ein Fünfjahreshoch gestiegen und ein „Italexit“ wird für möglich gehalten. Der Euro fiel teilweise wegen Ängsten vor einer nächsten Bankenkrise auf 1,13 €/$ zurück.

 

Im September jährte sich zum zehnten Mal die Lehman-Pleite.

 

Trotz der zuvor genannten globalen Probleme erreichten die amerikanischen Börsen vor dem Hintergrund guter Konjunktur- (letzte BIP-Daten bei + 4 % ggü. Vj.) und Unternehmensdaten (+ 20 % Gewinnanstieg im 3. Quartal), steigender Löhne (+ 2,8 % im 3. Quartal) sowie einer Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Stand seit 1969 neue Höchststände. Die steigenden Zinsen und der starke Dollar konnten dieser Entwicklung (noch) nichts anhaben.

 

Allerdings drohen eine Überhitzung der US-Wirtschaft sowie eine schnell steigende Inflation und damit die Gefahr, dass die FED die Zinsen zu stark erhöht. Die Handelskriege, sprich die Schutzzölle, verteuern die Importpreise letztendlich auch für die USA. Zudem werden die Politik der Notenbank FED sowie die höhere Verschuldung der USA die Zinsen weiter ansteigen lassen. Dies wiederum lenkt sukzessive Kapital vom Aktien- in den Anleihemarkt um. Dies zumal die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen zwischenzeitlich über der Dividendenrendite der Aktien im wichtigsten Index S&P 500 liegt und eine real positive Rendite abwirft.

 

Die ausgeprägte Aktienrallye in den USA der vergangenen Monate basierte zu großen Teilen auf Aktienrückkaufprogrammen und auf nur wenigen Technologiewerten. Die US-Aktien sind zudem hoch bewertet (25-fache der Gewinne). Sollte in den USA eine (erwartete) Korrektur einsetzten, würde diese vermutlich schnell und heftig ausfallen und die internationalen Kapitalmärkte mitreißen.

 

Risikofaktoren für die Zukunft sind des Weiteren die abnehmende Liquidität in den Kapitalmärkten, da die amerikanische FED ab Oktober für monatlich Mio $ 50 Anleihen verkaufen und die EZB ab dem Jahresende keine Anleihen mehr aufkaufen wird. Die bestehende Zinsdifferenz zwischen den Wirtschaftsblöcken wird sich damit ausweiten, da die EZB frühestens im Herbst 2019 die Zinsen anheben will. Die FED wird hingegen gemäß dem Marktkonsensus noch eine Erhöhung in diesem Jahr und drei Schritte im kommenden Jahr vornehmen. Dies wiederum sollte den Dollar stärken.

 

Einigkeit besteht ohnehin darüber, dass sich, unabhängig von den Zinsen und Währungen, der weltweite Konjunkturaufschwung in seiner Spätphase befindet. Insbesondere die massiven globalen Kreditvergaben der letzten Zeit bereitet hierbei berechtigte Sorgen.

 

Das 4. Quartal vorherzusagen ist extrem schwierig. Es kann sowohl zu einer Jahresendrallye kommen, als auch zu Gewinnmitnahmen, wenn die Unsicherheiten eskalieren und sich die Anleger zurückziehen, um ihre Jahresabschlüsse zu sichern.

Kapitalmarktentwicklung

1. Januar bis 30. September 2018

Geldmarkt

AnlagesegmentPerformance
31.12.2017
Perfomance
30.09.2018
Euro-Raum-0,33 %- 0,24 %

Aktien (in Euro)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2017
Performance
30.09.2018
Deutschland+ 12,51 %- 5,19 %
Eurozone+ 12,49 %+ 0,02 %
Europa+ 10,24 %+0,84 %
USA+ 6,45 %+ 13,90 %
Japan+ 8,91 %+ 5,02 %
Schwellenländer+ 20,59 %- 4,55 %
Nebenwerte Europa+ 19,03 %+ 0,75 %
Welt+ 7,51 %+ 9,00 %

Renten (in Euro)

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2017
Perfomance
30.09.2018
Deutschland- 1,40 %+ 0,72 %
Eurozone+ 0,41 %- 0,49 %
Europa- 0,29 % - 0,85 %
USA- 9,97 % + 1,52 %
Welt- 6,16 % + 0,68 %
Schwellenländer- 3,15 %- 0,19 %
Unternehmensanleihen
Euroland
+ 2,41 %- 0,56 %
Wandelanleihen Global- 0,66 %+ 3,55 %

Rohstoffe (in USD)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2017
Perfomance
30.09.2018
Öl (Sorte Brent)+ 22,72 %+ 24,06 %
Gold+ 13,11 %- 8,52 %

Währung

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2017
Performance
30.09.2018
Euro/US-$ + 14,11 %- 3,23 %
Euro/Yen+ 10,00 %- 2,37 %

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