Aktuelles

vom Kapitalmarkt

per 31.12.2019

 

Das Jahr 2019 war (letztendlich) ein hervorragendes Anlagejahr und ein Jahr der Rekorde.

 

Dies, obwohl zum Jahreswechsel 2018/19 noch große Trübsal und viele Fragen die Märkte umtrieben haben.
So waren die Aktienmärkte in 2018 vom Höchststand um über 20 % eingebrochen und die Finanz- und Wirtschaftsnachrichten durchweg schlecht (Angst vor starkem Zinsanstieg, Eskalation der Handelsstreitigkeiten, mögliche Rezession, Fortgang des Brexit, italienische Schuldenkrise).

 

Die Zinsen der Anleihen gingen auf kaum für möglich gehaltene Tiefstände zurück, u. a. 10jährige Bundesanleihen bis auf – 0,74 %. Der Goldpreis schaffte in Euro im Spätsommer neue Allzeithochs.
Am bemerkenswertesten waren aber die Aktienbörsen, welche in den USA in 2019 neue „All-Time-Highs“ erreichten. Der DAX verfehlte seinen bisherigen Höchststand von 13.596 Indexpunkten aus dem Januar 2018 nur um 200 Punkte.
In den ersten Monaten des vergangenen Jahres wurden die Verluste aus dem 4. Quartal 2018 aufgeholt. Im Sommer konsolidierten die Märkte. Nach Zinssenkungen der Notenbanken und Hoffnungsschimmern in den Handelsstreitigkeiten legten die Börsen dann bis zum Jahresende deutlich zu.

 

Von einer allgemeinen Euphorie konnte dabei aber nicht die Rede sein. In kaum einem Jahr zuvor waren die Märkte so „politisch“ und wenig fundamental beeinflusst, wie im vergangenen. Noch nie war die Unberechenbarkeit maßgeblicher Führer bedeutender Nationen der Welt so groß wie in den letzten zwölf Monaten. Die Märkte wurden permanent zwischen unterstützenden Zentralbankimpulsen, einer nachlassenden weltweiten Wirtschaftsdynamik (schwächstes Wachstum seit der Finanzkrise 2007/2008) und (geo)politischen Krisen hin und her gerissen.

 

Vor allem die Handelsstreitigkeiten der USA mit China und Europa bzw. der zunehmende Protektionismus, der sich hinziehende Brexit, die Spannungen zwischen Amerika und dem Iran, der Konflikt in Syrien, die hohen Staats- (in den USA stabil auf Rekordhoch) und teilweise Unternehmensverschuldungen („Zombie-Unternehmen“) sowie eine globale Wirtschaftsabkühlung, speziell in Europa (Autoindustrie) und in China, belasteten die Kapitalmärkte. Hinzu kamen länderspezifische Krisen, z. B. in Argentinien, der Türkei oder auch in Indien.

 

Unter den Unsicherheiten litten weltweit vor allem die Industrieunternehmen, da diese sich mangels Nachfrage, fehlender Planungssicherheit und großen strukturellen Umbrüchen mit Investitionen zurückhielten. In 2019 war daher ein ausgeprägter Lagerabbau festzustellen. Als bedeutsame Stützen haben sich hingegen global der Dienstleistungssektor und der Konsum erwiesen.
In Deutschland hatten und haben insbesondere die Auto- und Chemiebranche sowie deren Zuliefererbetriebe große Probleme und Umwälzungen zu bewältigen

 

Auch die bereits ambitioniert bewerteten Kapitalmärkte sorgten für eine anhaltende Skepsis bei den Anlegern. Steigende Kurse bei nachlassenden/stagnierenden Unternehmensgewinnen ließen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse deutlich ansteigen, so dass diese nun meist über den langjährigen Durchschnitten liegen. In den USA sind die Aktien in vergangenen Jahr z. B. um ca. 33 % angestiegen, die Gewinne der Unternehmen aber nur um 2 %.

 

Im Fazit war das letzte Jahr also von heftigen Schwankungen, d. h. einem ständigen Wechsel zwischen einem „risk on-/risk off-Modus“, geprägt. In Folge dessen, je nach Nachrichtenlage, kam es im August (Trump will Zölle auf alle chinesischen Waren einführen, Johnson schickt das Unterhaus in Zwangsurlaub) und Oktober (Eskalation des Zollstreits) zu größeren temporären Rücksetzern an den Börsen.

 

Dies erklärt auch den Umstand, dass zwischen dem 4. Quartal 2018 und den ersten zehn Monaten in 2019 rekordverdächtige Summen aus Aktienfonds abgezogen und in Anleihe- und Geldmarktfonds reinvestiert worden sind. Erst ab Oktober begann sich das Blatt zu wenden. Sehr viele Investoren, gerade Privatanleger, haben so große Teile des guten Börsenjahres verpasst, da sie zu vorsichtig agierten.

 

Trotz der politischen Turbulenzen und konjunkturellen Sorgen wurden im letzten Jahr aber positive Erträge mit fast allen Anlageformen erzielt.

 

Der eine zentrale Grund für die gute Entwicklung der Kapitalmärkte war die abrupt veränderte und vor allem synchrone Notenbankpolitik rund um den Globus. Die geldpolitische Wende unterstützte sämtliche Kapitalmarktsegmente. 2019 wurde so eines der besten Anlagejahre überhaupt.

 

Völlig überraschend – praktisch alle Marktteilnehmer hatten nach den neun Erhöhungen der amerikanischen Notenbank in 2017/18 mit weiteren Leitzinserhöhungen auch in 2019 gerechnet; konkret hatte die FED selber Ende 2018 mindestens zwei Schritte angekündigt – setzte die amerikanische Notenbank bereits zu Jahresanfang den Erhöhungszyklus aus und senkte im zweiten Halbjahr die Zinsen dreimal. Außerdem teilte die FED mit, längerfristig keine Zinsanpassungen vornehmen zu wollen.

 

Die EZB reduzierte den Einlagenzins für Banken am 12.09. um weitere 0,10 % auf – 0,50 % und beteuerte ebenfalls in den nächsten Jahren keine Erhöhungen der Leitzinsen zu planen. Der Leitzins blieb das gesamte Jahr bei 0,00 %, wo er bereits seit März 2016 steht.

 

In 2019 haben am Ende 23 Notenbanken rund um den Globus die Leitzinsen gesenkt – nur in drei Fällen wurden sie erhöht, wie z. B. in Schweden.

 

Ergänzend zu den Zinsbeschlüssen starteten die Notenbanken in den USA und der Eurozone im Herbst wieder neue Anleiheaufkaufprogramme, nachdem diese erst 2018 beendet worden waren. Seit dem 01.11. kauft z. B. die EZB monatlich für Mio € 20,0 Anleihen am Markt auf. Die FED hat in den letzten vier Monaten 2019 ihre Bilanzsumme durch Aufkäufe stärker ausgeweitet, als in jedem vergleichbaren Zeitraum zuvor.

 

Hintergrund für die Maßnahmen der Notenbanken waren und sind die (zunehmende) Wirtschaftsschwäche und die zu niedrige Inflation. Teilweise bestand in 2019 sogar wieder die Sorge vor einer Rezession, was sich aber nicht bewahrheitete.

 

Allen Marktteilnehmern wurde klar, dass das derzeitige Niedrigzinsumfeld länger andauern wird, als nach der kurzen Phase steigender Zinsen bzw. der Normalisierung der Geldpolitik in 2018 vorhergesagt. Sichere und auskömmliche Erträge aus Zinsen bleiben somit weiter aus bzw. der Anlagenotstand dauert an.

 

Als Folge der veränderten Notenbankpolitik sanken die Renditen der festverzinslichen Wertpapiere bis zum Spätsommer 2019 deutlich. U. a. fiel die Verzinsung der 10jährigen deutschen Bundesanleihe am 03.09. auf – 0,74 % und diejenige der 30jährigen Anleihe bereits Ende August auf – 0,31 %. Zum Jahreswechsel weisen alle Laufzeiten deutscher Staatsanleihen bis 15 Jahren negative Renditen auf.

 

Sich stabilisierende konjunkturelle Frühindikatoren für 2020, ein klares Votum bei der Brexit-Abstimmung und erste Absichtserklärungen für ein Handelsabkommen zwischen den USA und China bzw. das Aussetzen angedrohter Zölle („Phase One Deal“) gaben insbesondere den Aktienbörsen im 4. Quartal einen starken positiven Impuls. Allein in den letzten drei Monaten des Jahres gewannen z. B. der Dax und der amerikanische S&P Index jeweils 13 % hinzu. Die massiven Aktienrückkäufe vor allem der US-Unternehmen in Billionendollarbeträgen unterstützten die freundliche Entwicklung der US-Börsen in 2019 zusätzlich.

 

Die allgemeine Entspannung und die Suche nach „sicheren“ Erträgen ließen auch die Kurse der Anleihen in den letzten Wochen des Jahres wieder deutlich ansteigen, so dass z. B. die Rendite der 10jährigen Bundesanleihe am Jahresende „nur noch“ bei – 0,19 % notierte.

 

Dass man im vergangenen Jahr mit allen Anlagearten positive Wertentwicklungen erzielen konnte,
ist erstaunlich, da der Umstand nicht der „Theorie“ entspricht. Eigentlich steigen Aktien nur bei guten Wirtschafts- und Unternehmensdaten. In einem solchen Umfeld gewinnen im Gegenzug die Kurse der Anleihen. Der Grund für den ungewöhnlichen Gleichlauf in 2019 wurde zuvor bereits genannt … die veränderte Notenbankpolitik ließ die Renditen fallen und die erzeugte Liquidität und die fehlenden Anlagealternativen die Aktien steigen.

 

Die Dividendentitel gewannen dabei meist zweistellig. Insbesondere die Technologietitel waren mit Zuwächsen von fast 35 % (Nasdaq in Euro) und 33 % (deutscher TecDax) ein weiteres Mal die großen Gewinner. Besser entwickelten sich nur Goldminenaktien mit Gewinnen von fast 45 %, ebenfalls in Euro gerechnet. Beste Einzelbörsen waren (in Euro) Russland (fünf Zinssenkungen in 2019), Griechenland und die Schweiz. Verlierer waren Argentinien mit – 9,0 % (in Euro), Chile und einige afrikanische Börsen. Vor allem der Einbruch des argentinischen Pesos ggü. dem Euro um rund 35 % hat zu den Verlusten in dem südamerikanischen Land geführt.

 

Die Hoffnung vieler Investoren auf noch weiter sinkende Zinsen und damit Kursgewinne sowie die wiedereinsetzenden Anleihekäufe der Notenbanken unterstützen die Anlageerträge aus Rentenpapieren.

 

Deutsche Staatsanleihen erreichten eine Wertentwicklung von gut 3 % und der US-Staatsanleihen-Index legte sogar über 7 % zu (in Euro 9,5 %). Europäische Unternehmensanleihen verzeichneten einen Zuwachs von 6 %, europäische High Yield Papiere von gut 11 % und Schwellenländeranleihen von über 17 %. Die Kurse italienischer Staatsanleihen stiegen um 11 % an. 10jährige griechische Staatsanleihen notieren Ende 2019 bei Renditen von 1,5 %. Kursgewinne und Zinsen summierten sich bei griechischen Staatsanleihen im letzten Jahr auf einen Ertrag von 30 %.

 

Fast 25 % aller weltweit ausstehenden Anleihen weisen Ende Dezember 2019 negative Renditen auf;

über 60 % der Euro-Staatsanleihen und ca. 90 % der deutschen Bundesanleihen rentieren zu Beginn des neuen Jahres 2020 im Minus. Unter Berücksichtigung der Inflation (Realzinsen) verschlechtert sich die Situation noch einmal merklich.

 

Die Krisen im Nahen Osten ließen den Ölpreis (in Dollar) um 36 % ansteigen. Gold und Silber legten trotz fehlender laufender Erträge 18 % bzw. 15 % (in US-Dollar) zu, da die Edelmetalle von den andauernden Unsicherheiten profitierten und da die ansonsten bestehenden Opportunitätskosten in Form der Verzinsungen von Anleihen gänzlich fehlten. Breite Rohstoffindices konnten (in Dollar) rund 12 % gewinnen.

 

Da der Euro ggü. allen großen Leitwährungen in 2019 erneut verloren hat (ggü. dem US-Dollar 2,3 %, ggü. dem Yen 3,1 %, ggü. dem Britischen Pfund 6,1 % und ggü. dem Schweizer Franken 3,6 %), profitierten Anlagen außerhalb der Eurozone für heimische Anleger auch im letzten Jahr von möglichen Währungsgewinnen.

 

Ursächlich für den wieder schwachen Euro waren zum einen die bessere Konjunktur und die höheren Zinsen in den USA, trotz leicht gesunkener Zinsdifferenz zu den Euro-Zinsen, sowie zum anderen die zunehmende Verschuldung und Uneinigkeit in der Eurozone. Die historisch niedrigen Zinsen in der Eurozone stellten zusammen mit den Konjunktursorgen grundsätzlich ein schwieriges Umfeld für die Euro-Währung im internationalen Vergleich dar.

 

Noch besser als die zuvor genannten Anlagevarianten entwickelten sich im letzten Jahr aber der Bitcoin
(+ 100 %) und Paladium (+ 55 %). Letzteres als Folge des ohnehin knappen Angebotes und speziell neuer gesetzlicher Anforderungen an Katalysatoren in China.

 

Für das kommende Jahr kann zwar davon ausgegangen werden, dass es keine zusätzliche geldpolitische Unterstützung, sprich weitere Leitzinssenkungen, mehr geben wird und das Zentralbank-Doping damit nachlässt. Durch die Fortdauer der expansiven Geldpolitik ist das Niedrigzinsumfeld aber dennoch bis auf Weiteres zementiert. Möglich macht dies eine stabile bis nur leicht steigende Inflation weltweit. Zudem signalisiert die FED zwischenzeitlich eine größere Inflationstoleranz.
Nur vereinzelt hält man es für möglich, dass die EZB bereits im kommenden Herbst die Anleihekäufe wieder einstellt und die FED sowie die EZB früh in 2021 die Zinsen erhöhen könnten.

 

Für 2020 bestehen zum Jahreswechsel verbesserte konjunkturelle Wachstumserwartungen. Die leichte Entspannung im Konflikt USA / China und beim Brexit geben ebenfalls Grund zur Hoffnung. China wird der Wachstumsabschwächung weiterhin mit Stimulierungsmaßnahmen begegnen. Allerdings müssen die (globalen) Auswirkungen der Coronavirus-Epedemie genau beobachtet werden.

 

Traditionell sind Wahljahre in den USA gute Börsenjahre, da die US-Regierung alles daransetzen wird, die Konjunktur und den Arbeitsmarkt zu unterstützen, um so die Wahl zu gewinnen. Präsident Trump hat schon bisher versucht, die amerikanische Notenbank in Bezug auf Zins, Liquidität und Wechselkurs zu beeinflussen. Es ist aber üblich, dass die FED den Wahlkampf ohnehin nicht durch Trendwechsel in der Geldpolitik beeinflusst.

 

Sollten die Prognosen so eintreten, würde auch 2020 ein freundliches Kapitalmarktumfeld herrschen und weiter reichlich Liquidität nach Anlagechancen suchen. In erster Linie könnten die Aktienmärkte von diesen Vorgaben profitieren, da deren Bewertungen relativ zu anderen Anlageformen noch nicht überbewertet erscheinen. In Europa sind die Dividenden außerdem vielfach höher als die Renditen der Anleihen. Die Zinsen sollten nur moderat ansteigen. Allerdings sehen die wenigsten Analysten in Deutschland Niveaus höher als die Nulllinie voraus.

 

Die Hauptrisiken für 2020 liegen derzeit im Nahen Osten, in den Entwicklungen in China (Konjunktur, Taiwan, Coronavirus), den hohen Verschuldungen vieler Staaten und Unternehmen sowie der Unberechenbarkeit diverser Politiker. Kommt es hier zu Eskalationen oder Ausfällen, würde das positive Weltbild für 2020 in Wanken geraten.

 

Die Tatsache, dass zum Jahreswechsel ein sehr hoher Konsens bezüglich der Erwartungen an die zukünftigen Entwicklungen besteht und die Prognosen weit überwiegend positiv sind bzw. eine hohe Sorglosigkeit vorherrscht, stellt nach aller Erfahrung eine Gefahr dar. Bereits kleine Veränderungen an der Großwetterlage können hier in Kombination mit der außergewöhnlich langen Dauer der Kurszuwächse kurzfristige und heftige Reaktionen der Marktteilnehmer auslösen.

Kapitalmarktentwicklung

1. Januar bis 31. Dezember 2019

Geldmarkt

AnlagesegmentPerformance
31.12.2018
Performance
31.12.2019
Euro-Raum-0,32 %- 0,36 %

Aktien (in Euro)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2018
Performance
31.12.2019
Deutschland+ 18,26 %+ 25,48 %
Eurozone+ 13,19 %+ 25,67 %
Europa+ 10,94 %+ 26,14 %
USA- 1,13 %+ 33,13 %
Japan- 9,09 %+ 21,70 %
Schwellenländer+ 10,58 %+ 21,24 %
Nebenwerte Europa+ 14,92 %+ 31,37 %
Welt- 4,81 %+ 30,72 %

Renten (in Euro)

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2018
Performance
31.12.2019
Deutschland+ 2,33 %+ 3,05 %
Eurozone+ 1,00 %+ 6,84 %
Europa+ 0,56 % + 7,80 %
USA+ 5,61 % + 9,45 %
Welt+ 4,07 % + 7,97 %
Schwellenländer+ 0,22 %+ 17,37 %
Unternehmensanleihen
Euroland
- 1,14 %+ 6,23 %
Wandelanleihen Global+ 0,04 %+ 11,47 %

Rohstoffe (in USD)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2018
Performance
31.12.2019
Öl (Sorte Brent)- 24,69 %+ 36,52 %
Gold- 1,52 %+ 18,27 %

Währung

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2018
Performance
31.12.2019
Euro/US-$ - 4,39 %- 2,26 %
Euro/Yen- 7,04 %- 3,10 %

Ihre Ansprechpartner

Carolin Müller
Fon +49 40 300 387-111
c.mueller@philips-pk.de

Sabina Wegner
Fon +49 40 300 387-112
s.wegner@philips-pk.de

Luigine Würffel
Fon +49 40 300 387-110
l.wuerffel@philips-pk.de