Aktuelles

vom Kapitalmarkt

per 30.06.2018

 

Das 2. Quartal des Jahres brachte durchwachsene Anlageergebnisse und war bestimmt von globalen Handels-
streitigkeiten, der Krise in Italien, den Brexit-Verhandlungen, dem Koalitionsstreit in Deutschland sowie schwächeren Konjunkturdaten.

 

Anfang Juni führte die USA 25 % Strafzölle auf Stahl- und 10 % auf Aluminiumimporte ein. China reagierte mit entsprechenden Zöllen in gleichem Gegenwert. Seit Wochen droht Trump mit 20 % Zöllen auf Autoimporte.

 

Mitte Juni erhöhte die amerikanische Notenbank FED ein weiteres Mal den Leitzins um 0,25 % auf nun 2,00 % (sechster Zinsschritt seit Ende 2015; weitere zwei Schritte sind für dieses Jahr noch angekündigt). Zudem teilte die EZB mit, dass die Anleihekäufe zum Jahresende eingestellt werden (fällige Papiere werden aber wiederangelegt). Der Euro-Leitzins bleibt hingegen „bis mindestens über den Sommer 2019 hinweg“ bei null Prozent.

 

In Europa, den USA und Japan kam es im Quartal per Saldo zu Kurserholungen an den Aktienbörsen, welche die negativen Ergebnisse nach dem 1. Quartal teilweise ausgleichen konnten. Weiter nachgegeben haben die chinesischen Börsen. Unverändert entwickelten sich Technologietitel am besten, so dass die amerikanische Nasdaq nach sechs Monaten fast 9 % zugelegt hat und auf einem Allzeithoch steht.

 

Die Ergebnisse der Dividendentitel wurden dabei von einem sehr schlechten Juni geprägt. Nachdem die Börsen bis Ende Mai noch durchweg zulegen konnten, kam es im Juni zu Einbrüchen (Handelsstreit USA gegen den Rest der Welt). Allein in den letzten vier Wochen des 2. Quartals verloren z. B. der Dax und europäische Indices über 8 % bzw. 6 % an Wert. Chinesische Aktien verloren in dem Zeitraum gut 8 % und japanische rund 3 %. In den letzten zehn Tagen des Quartals gaben dann auch die US-Aktien etwa 3 % nach. Die Schwellenländer-
börsen verloren im bisherigen Jahresverlauf ebenfalls rund 3 %; ggü. deren Hoch von Ende Januar allerdings fast 10 %.

 

Entgegen den Zinsen in Amerika, die weiter angestiegen sind, gaben die deutsche Renditen wieder nach, da keine baldigen Zinserhöhungen der EZB anstehen und die Papiere als sichere Häfen gesucht waren. Im Ergebnis hat sich somit die Zinsdifferenz zwischen zehnjährigen US-Staatsanleihen (2,85 %) und zehnjährigen deutschen Bundesanleihen (0,30 %) von 2,00 % bis Ende März auf 2,55 % ausgeweitet. Währungsabsicherungen des Dollars haben sich weiter verteuert.

 

Zur Jahresmitte haben Schwellenländeranleihen in lokalen Währungen über 5 % verloren (US-Dollarstärke und Handelskriege).

 

Nachdem sich der US-Dollar in den letzten Wochen des Quartals ggü. dem Euro merklich erholen konnte, hat der Euro per Saldo nach dem 1. Halbjahr etwa 2,6 % zum Dollar abgegeben (bis Mitte Februar war es noch ein Zugewinn von rund 4,7 %). Hauptgründe für den Dollar-Aufschwung waren die Euro-Krise (Regierungskrise Italien) und die höheren US-Zinsen.
Die Schwäche des Euros ggü. dem japanischen Yen setzte sich fort. Hier büßte der Euro in diesem Jahr 4,4 % ein.

 

Vom Hoch Mitte Februar bei rund 1,26 €/$ bzw. 124,6 €/Yen gewannen die US-Währung 8,4 % und der
Yen 9,4 % bis Ende Juni gegen den Euro.

 

Wegen der hohen Schuldenlast in US-Dollar, der US-Zinsen von teilweise über 3,0 % sowie Problemen in einzelnen Ländern (Argentinien, Türkei) litten vor allem die lokalen Währungen der Schwellenländer in den letzten Wochen unter größeren Schwächeanfällen. Amerikanische Anlagegelder wurden vor dem Hintergrund in den heimischen Markt zurücktransferiert.

 

Von den erheblichen Unsicherheiten konnten Edelmetalle bis dato nicht profitieren. Gold notiert Ende Juni
3,8 % unter dem Jahresanfangsniveau und Silber gut 5 %.
Überraschend ist der Umstand, dass die Edelmetalle gerade in der Zeit seit Ende April, in der sich die diversen Themen zuspitzten, 8 % (Gold) und 7 % (Silber) nachgaben.

 

Stark zulegen konnten allerdings andere Rohstoffe. Exemplarisch stieg der Ölpreis (Sorte Brent) zum 30.06. auf 76,8 Dollar an und gewann damit fast 15 % in 2017 (Höchststand am 22.05. bei 81,4 Dollar oder einem Plus von 21,4 % seit dem 31.12.2017). Gründe sind die Weltnachfrage bei rückläufigen Lieferungen aus Venezuela und dem Iran.

 

Nachdem es im 1. Quartal des Jahres noch bei Drohungen geblieben war (Zölle, Handelskriege, Russland, Iran, Korea) und sich die volkswirtschaftlichen Daten, z. B. Geschäftsklima- und Einkaufsmanagerindices, abzuschwächen drohten, wurden im 2. Quartal Fakten geschaffen. Die großen Wirtschaftsräume verhängten tatsächlich gegenseitige Zölle und die Wirtschaftsdaten verschlechterten sich.

 

Zudem wird das Reden und Handeln des US-Präsidenten immer unkalkulierbarer und es begannen sich erhebliche Verschiebungen im Weltgefüge der letzten Jahrzehnte herauszubilden. Neue Bündnisse werden geschlossen (Europa/China) und alte in Frage gestellt (Europa/USA). Plötzlich werden aus Freunden sogar „Feinde“ (so Trump über die EU).

 

Das diese Entwicklungen bisher nur überschaubare Reaktionen an den internationalen Kapitalmärkten zeigen, ist erstaunlich. Aktuell gehen die Marktteilnehmer noch vermehrt davon aus, dass die Weltkonjunktur nur „schwächelt“ und die Zölle nur „Drohgebärden“ sind, die bald wieder zurückgezogen werden. Handelskriege größeren Ausmaßes werden nicht gesehen. Ein Zeichen dafür, dass die Sorgen tatsächlich nicht sehr groß sind, ist die geringe Nachfrage nach Edelmetallen. Zudem wird kein starker Inflationsanstieg gesehen, den die US-Notenbank mit deutlicheren Leitzinserhöhungen begegnen müsste, was wiederum über kurz oder lang die Börsen negativ beeinflussen würde. Die Euro-Schwäche hilft insbesondere der europäischen Exportindustrie. Die Bewertungen der Aktien, nicht der Anleihen (!), werden als „fair“ eingeschätzt.

 

Ausfluss der dennoch bestehenden Unwägbarkeiten sind die je nach aktueller Nachrichtenlage erratischen Ausschläge der Börsen in beide Richtungen in den letzten Wochen. Jede Äußerung aus Washington oder Peking oder einer Notenbank wurde dabei intensiv bewertet und führte zu größeren Umsätzen an den Börsen.
Das Quartal war von einem laufenden „risk on“ oder „risk off“ Modus bestimmt.

 

Markant ist die erreichte extreme Entfernung der Bewertung von Vermögenswerten / der Verschuldung ggü. der realen Wirtschaftsentwicklung. Der Hauptgrund hierfür erneut ist die langjährige Nullzinspolitik der Notenbanken.

 

1. Der Wert der globalen Aktien- und Kreditmärkte liegt bei ca. 180 Bill. Dollar und beträgt damit 225 % der weltweiten Wirtschaftsleistung… eine noch nie erreichte Relation.

 

2. Die Aktienbörsen haben seit der letzten Krise in 2009 bis dato über 90 % zugelegt …losgelöst von jeder Konjunkturdynamik.

 

3. Das Nettovermögen aller Haushalte weltweit (Vermögen minus Schulden) ist 40 % höher als die Wirtschaftsleistung …Rekord. In der Regel laufen der Vermögenszuwachs und die Wirtschaftsleistung parallel.

 

4. Die Gesamtverschuldung der Staaten und Unternehmen beträgt in den USA 250 %, in China 230 % und in Japan 360 % des Volkseinkommens … früher galten Niveaus über 200 % als kritisch.

 

5. Die globale Verschuldung ggü. dem weltweiten BIP kletterte auf 320 %.

 

6. Die globale private Hypothekenverschuldung beträgt mittlerweile über 70 % des Volkseinkommens … zwischen 1920 und 1990 lag die Quote zwischen 10 % und 35 %.

 

Allein diese ausgewählten Daten mahnen zur Vorsicht.

 

Zudem ist festzuhalten:

 

7. China befindet sich seit Wochen im Bärenmarkt. Seit Jahresanfang hat die Börse der Weltlokomotive über
22 % verloren …die Märkte sehen derzeit China als den Hauptverlierer des Handelsstreits.

 

8. Gewinnwarnungen in vielen Branchen nehmen zu (w/ des starken Euros (bis Mitte Mai) und der zunehmenden Handelshemmnisse) …vor allem „rund ums Auto“.

 

9. Die letzten Anstiege bei den US-Aktien waren vor allem durch schuldenfinanzierte Aktienrückkäufe verursacht.

 

10. Fast ausschließlich werden die Börsen von Technologietiteln getrieben …dem Markt fehlt also die Breite.

 

11. Die Notenbanken beginnen den Märkten die Liquidität zu entziehen; in den USA Realität, in der Eurozone im Jahresverlauf (Einstellung Aufkaufprogramm) bzw. für 2019 angekündigt (Zinserhöhungen möglich).

 

12. Die Zinskurven weltweit sind sehr flach … in den letzten fünfzig Jahren eines der sichersten Zeichen für eine nahende Rezession oder Börsenkorrektur.

 

13. Da die Inflation in Deutschland über 2 % angestiegen ist, nehmen die Realzinsen für Sparer weiter ab.

 

14. Globale Handelskriege sind nicht ausgeschlossen …die Unternehmen werden hierauf mit Investitions-
kürzungen reagieren und niedrigere Gewinne ausweisen.

 

15. (Zu) viele Analysten prognostizieren unverdrossen neuen Höchststände für die Börsen.

 

Im Gesamtfazit haben die Warnsignale klar zugenommen. Wann genau die Korrekturen einsetzen ist unbekannt, aber die Wahrscheinlichkeit dafür steigt spürbar. Die neunjährige Hausse könnte in absehbarer Zeit zu Ende gehen. Einige Marktteilnehmer sehen die Kapitalmärkte bereits in einem „Endspiel“.

 

Bis auf Weiteres gilt es aber dabei zu bleiben und von der guten Konjunktur zu profitieren. Allerdings darf der Absprung nicht verpasst werden.

 

Wenn dann bei gegebenen Niedrigzinsen (in Deutschland / Europa) die risikoreicheren Anlageformen Kursverluste erleiden und die Währungen noch heftiger ausschlagen, wird die Erzielung auskömmlicher Anlageergebnisse allerdings noch einmal nachhaltig erschwert.

Kapitalmarktentwicklung

1. Januar bis 31. März 2018

Geldmarkt

AnlagesegmentPerformance
31.12.2017
Perfomance
30.06.2018
Euro-Raum-0,33 %- 0,16 %

Aktien (in Euro)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2017
Performance
30.06.2018
Deutschland+ 12,51 %- 4,73 %
Eurozone+ 12,49 %- 0,41 %
Europa+ 10,24 %- 0,48 %
USA+ 6,45 %+ 5,54 %
Japan+ 8,91 %+ 0,76 %
Schwellenländer+ 20,59 %- 4,00 %
Nebenwerte Europa+ 19,03 %+ 1,87 %
Welt+ 7,51 %+ 3,29 %

Renten (in Euro)

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2017
Perfomance
30.06.2018
Deutschland- 1,40 %+ 1,52 %
Eurozone+ 0,41 %+ 0,60 %
Europa- 0,29 % + 0,53 %
USA- 9,97 % + 1,67 %
Welt- 6,16 % + 1,89 %
Schwellenländer- 3,15 %- 2,63 %
Unternehmensanleihen
Euroland
+ 2,41 %- 0,57 %
Wandelanleihen Global- 0,66 %+ 2,04 %

Rohstoffe (in USD)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2017
Perfomance
30.06.2018
Öl (Sorte Brent)+ 22,72 %+ 14,48 %
Gold+ 13,11 %- 3,84 %

Währung

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2017
Performance
30.06.2018
Euro/US-$ + 14,11 %- 2,59 %
Euro/Yen+ 10,00 %- 4,35 %

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