Aktuelles

vom Kapitalmarkt

per 30.09.2019

 

Im Fazit hat das 3. Quartal ggü. Ende Juni keine größeren Veränderungen gebracht. Die Aktienmärkte und die Renditen stehen nahezu auf den Niveaus zur Jahresmitte. Wesentliche Ausnahmen sind China/Hong Kong, wo die Börsen in den vergangenen Wochen nachhaltig verloren haben und die nun im Jahresverlauf ein negatives Ergebnis aufweisen.

 

Allerdings waren die letzten drei Monate von heftigen Schwankungen, d. h. einem ständigen Wechsel zwischen „risk on-/risk off-Modus“, geprägt.

 

So brachen die Aktienmärkte in der ersten Augusthälfte um 5 % bis 10 % ein und die Renditen von Staats-
anleihen mit zehnjährigen Laufzeiten in Deutschland fielen Anfang September aufgrund der Suche nach Sicherheit (Anleger sind bereit, eine Liquiditätsprämie zu bezahlen) auf bis zu – 0,74 % und in den USA auf
1,42 % zurück. Die Gründe für die erratischen Bewegungen waren eine deutliche Eskalation des Handelsstreits USA vs. China und die Iran-Krise im Sommer.

 

Ende September weisen in Deutschland jetzt alle Laufzeiten der Bundesanleihen und etwa zwei Drittel der gut gerateten Unternehmensanleihen negative Renditen auf. Auch die Zinskurve für die Benchmark-Anleihen der Eurozone insgesamt liegt vollständig im negativen Bereich. Global weist z. Z. ein Anleihevolumen von über
16 Billionen US-Dollar negative Renditen auf.
Wichtig ist, dass der Kaufkraftverlust, sprich die Inflation, sowie die Steuerpflicht der Kupons die Situation für Anleger/Sparer noch verschlimmert. So ist z. B. der „Realzins“ der deutschen Umlaufrendite bereits seit 2016 negativ und zwischenzeitlich auf rund – 2,0 % gefallen.

 

Die Entwicklungen bedeuten, dass Staatsanleihen in 2019 per Saldo und überraschend durchschnittlich über alle Laufzeiten hinweg eine Wertentwicklung von 6,5 % in Deutschland, von 10 % in Europa (starke Zuwächse in Italien und Griechenland; Mitte August brachten zehnjährige griechische Staatsanleihen die gleiche Rendite wie zehnjährige US-Treasuries) und 13 % in den USA gezeigt haben. Schwellenländeranleihen gewannen sogar fast 18 % hinzu. Allein mit der zehnjährigen Bundesanleihe waren bis Ende September über 6 % zu verdienen und mit der dreißigjährigen Anleihe sogar rund 26 %.

 

Wichtig ist die Tatsache, dass Anleger auch ohne laufende Zinserträge Anleihen in großem Umfang gekauft haben und es noch tun, weil sie rein auf Kursgewinne setzen. Motivation sind die zunehmende Material-
knappheit von Papieren mit Kupons bzw. der Anlagenotstand und seit jüngstem das wiederkehrende Aufkaufprogramm der EZB, welches diesen Trend verstärkt. Keiner der Käufer plant, die Anleihen (bei negativen Renditen) bis zur Endfälligkeit zu halten, sondern will einzig vorher Kurszuwächse realisieren.
Für Daueranleger, wie Versicherungen und Pensionskassen, die gerade regelmäßige Erträge suchen und brauchen, ist eine solche „Handelsstrategie“ keine gute Lösung.

 

Beispiele für den „Zinswahnsinn“ sind: im September 2017 emittierte Österreich eine hundertjährige Anleihe mit einem 2,1 %igen Kupon. Derzeit notiert diese Anleihe bei Kursen um 200 %, d. h. sie hat sich in zwei Jahren im Wert verdoppelt. U. a. konnten EON und Siemens im Sommer neue fünfjährige Bonds mit einem 0 % Kupon platzieren. Die BRD konnte Mitte August ebenfalls und zum ersten Mal eine dreißigjährige Anleihe mit einem
0 % Kupon an den Markt bringen…Emissionsrendite – 0,11 %. Bei durchweg ersten Kursen von über 100 % bedeuten diese Emissionen eine Schuldenaufnahme zu negativen Renditen.

 

Der schwache Trend des Euros ggü. allen anderen Leitwährungen hat auch im 3. Quartal angehalten. Nach neun Monaten hat der Euro z. B. zum US-Dollar 5 % verloren.

 

Als Folge der hohen Unsicherheiten gewannen die Edelmetallpreise. Dabei legte der Goldpreis in diesem Jahr in US-Dollar um fast 15 % zu. Mit Goldminenaktien konnte man in den ersten drei Quartalen des Jahres sogar einen Gewinn in Euro von 45 % erzielen.

 

Die Konflikte im Nahen Osten und der Angriff auf eine saudi-arabische Raffinerie ließen den Ölpreis bis Ende September in der Spitze um über 22 % ansteigen.

 

Außer im Geldmarkt, mit dem Euro und argentinischen Aktien (- 35 %) konnte man somit in diesem Jahr bisher in jeder Assetklasse Gewinne erzielen.

 

Die Ursache für die nach eher schwächeren Sommermonaten insgesamt positiven Kapitalmärkte nach drei Quartalen waren einzig der erfolgte Schwenk der US-Notenbankpolitik und die weitere Senkung des Einlagenzinses für Geschäftsbanken durch die EZB auf – 0,5 % (der Leitzins steht seit März 2016 unverändert bei 0,0 %) inkl. der Wiederauflegung der Nettoanleihekäufe ohne zeitliche Begrenzung ab dem 01.11. (Mrd € 20,0 monatlich). Der letzte Punkt war dabei im EZB-Rat sehr umstritten. Das letzte Aufkaufprogramm war erst im Dezember 2018 ausgelaufen. Zuvor hatte die EZB Billionen € 2,6 in Anleihekäufe investiert (Ziel: Inflation erzeugen).

 

Die Richtungsänderung der FED-Politik hin zu ersten Zinssenkungen seit elf Jahren (!), nach neun Zins-
erhöhungen zuvor, und die Lockerungsaktion der EZB (Draghi wird sich Ende Oktober nach acht Jahren Amtszeit als erster EZB-Chef verabschieden, der nie eine Leitzinserhöhung vorgenommen hat) fingen die zuvor dominierenden negativen Einflussfaktoren, wie Brexit, Handelsstreitigkeiten, lahmende Konjunkturen bzw. die Kurseinbrüche vom August, auf.

 

Das Problem ist aber jetzt, dass die Zinsen wieder sinken, nachdem in 2018 noch die Hoffnung auf auskömmlichere Renditen bestand. Außerdem ist den Investoren klar geworden, dass die Renditen wohl noch lange (zu) niedrig bleiben werden. Diese neue Situation belastet alle Prognoserechnungen bei Anlegern mit Zinsversprechen und erschwert eine möglichst risikolose und rentable Kapitalanlage. Der Zwang ein höheres Anlagerisiko einzugehen, steigt damit. Wo dies nicht mehr möglich ist, müssen ehemalige Rentenversprechen zwangsläufig nach unten angepasst werden.

 

Vor allem die Sorgen vor einer zunehmenden Verschlechterung der z. Z. nur schwächelnden weltweiten Wirtschafts- und Gewinnentwicklungen in einem alternden Konjunkturzyklus hat die Notenbanken zu den Leitzinssenkungen bzw. in der Eurozone zusätzlich zur Wiederaufnahme des Anleiheaufkaufprogramms bewegt. Eine wirkliche und andauernde Rezession zeigen die einschlägigen volkswirtschaftlichen Modelle derzeit aber nicht an. Während das verarbeitende Gewerbe unter den Unsicherheiten stark leidet, stützen der binnenwirtschaftlich orientierte Dienstleistungssektor und der Konsum noch.
Die bestehenden Handelskonflikte und die erheblichen geopolitischen Risiken haben ebenfalls zu dem Handeln der Notenbanker beigetragen.

 

Am Ende des 3. Quartals beruhigten eine neue italienische Regierung, Hoffnungen beim Brexit und erste konstruktive Gespräche zwischen den USA und China die Marktteilnehmer erkennbar, so dass es zu merklichen Kurserholungen bei Aktien kam und die Renditen wieder anstiegen.

 

In der Gesamtschau erachten viele das Jahr 2019 schon jetzt als das politischste Jahr der Nachkriegsperiode… Rückkehr des kalten Krieges ggü. Russland, US-Handelsstreit mit China und Europa, Gefahr großer Krisen im Nahen Osten und deshalb eines Ölkrieges.

 

Nichtsdestotrotz scheint 2019 aber letztendlich ein sehr erfolgreiches Kapitalmarktjahr werden zu können, da man sowohl mit Aktien, als auch mit Anleihen bis dato gute Wertentwicklungen erzielen konnte. Gleiches gilt für Edelmetalle, Immobilien, etc. Der Umstand der simultanen Zuwächse (ähnlich 2017) ist ungewöhnlich. Steigende Aktien zeigen eigentlich gute Konjunktur- und Unternehmensdaten an. Starke Gewinne bei Anleihen und Gold sprechen dagegen für eine Krise bzw. die Suche nach sicheren Häfen.
Die Erklärung ist die mehrfach beschriebene weltweite Notenbankpolitik. Die erneute Öffnung der Geld-
schleusen drückt die Zinsen und hebt die Aktienkurse als Alternativanlage. Gold profitiert vom Umstand, dass Anleihen keine Zinsen mehr abwerfen, womit die ansonsten bestehenden primären Opportunitätskosten in Form der Zinsen entfallen.

 

Zwar blieb der gefürchtete Herbst-Abschwung an den Börsen im September aus, ob es aber wieder zu einer Jahresendrallye kommt, ist mehr als offen. Zwar gibt es derzeit einige unterstützende Signale hierfür, aber ohne eine globale Konjunkturerholung/-stabilisierung sollte es eher schwer werden, Beispiele positiver letzter Quartale eines Jahres aus der Vergangenheit zu wiederholen. Bis auf Weiteres verharren die Kapitalmärkte sicher in der finanziellen Repression, in der die Gläubiger die Schuldenberge abtragen, statt für Sparsamkeit belohnt zu werden.

Kapitalmarktentwicklung

1. Januar bis 30. September 2019

Geldmarkt

AnlagesegmentPerformance
31.12.2018
Performance
30.09.2019
Euro-Raum-0,32 %- 0,15 %

Aktien (in Euro)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2018
Performance
30.09.2019
Deutschland+ 18,26 %+ 17,70 %
Eurozone+ 13,19 %+ 19,43 %
Europa+ 10,94 %+ 19,24 %
USA- 1,13 %+ 25,94 %
Japan- 9,09 %+ 16,52 %
Schwellenländer+ 10,58 %+ 11,03 %
Nebenwerte Europa+ 14,92 %+ 17,63 %
Welt- 4,81 %+ 23,88 %

Renten (in Euro)

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2018
Performance
30.09.2019
Deutschland+ 2,33 %+ 6,46 %
Eurozone+ 1,00 %+ 10,13 %
Europa+ 0,56 % + 17,78 %
USA+ 5,61 % + 13,38 %
Welt+ 4,07 % +4,35 %
Schwellenländer+ 0,22 %+ 17,52 %
Unternehmensanleihen
Euroland
- 1,14 %+ 6,75 %
Wandelanleihen Global+ 0,04 %+ 10,83 %

Rohstoffe (in USD)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2018
Performance
30.09.2019
Öl (Sorte Brent)- 24,69 %+ 22,51 %
Gold- 1,52 %+ 14,76 %

Währung

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2018
Performance
30.09.2019
Euro/US-$ - 4,39 %- 4,98 %
Euro/Yen- 7,04 %- 6,26 %

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