Aktuelles

vom Kapitalmarkt

per 31.12.2018

 

Das Jahr 2018 könnte in der Rückschau ein „Übergangsjahr“ gewesen sein. Nach einem weitgehend sorgenfreien 2017 mit Gewinnen in praktisch allen Anlageformen und extrem geringer Volatilität und vor einem 2019 mit diversen offenen Fragestellungen weltweit, vor allem aber mit klar nachlassender Konjunkturdynamik und der Einstellung der Liquiditätsflutung der Märkte durch die Notenbanken in den USA und Europa.

 

Im zu Ende gegangenen Jahr nahmen die Anzahl der kritischen Themen und aufgrund dessen die Marktschwankungen schrittweise zu. Sukzessive wich die Euphorie der Anleger einer zunehmenden Skepsis und Risikoaversion. Die Anleger erlitten im Fazit erstmals wieder seit Jahren Verluste auf breiter Front. Im Dezember traten dabei aufgrund erheblicher Rezessionsängste erste Tendenzen zu panikartigen Reaktionen auf.

 

Die Ursachen für den Stimmungsumschwung in 2018 waren: die extrem hohen Bewertungen in vielen Anlageformen, die steigenden US-Zinsen (vier Leitzinserhöhungen der FED auf aktuell 2,25 %), Sorgen vor den Folgen des Auslaufens der Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken, die Unsicherheiten bezgl. des Brexit und der italienischen Verschuldung und vor allem die Konflikte der USA mit allen größeren Handelspartnern, vor allem China. Ab dem Spätsommer kamen dann sich global verschlechternde Konjunktur- und Unternehmensdaten sowie entsprechend schwache Prognosen für 2019 hinzu. In den USA laufen nach und nach die Sondereffekte der Steuerreform aus und die Handelszölle zeigen global Wirkung. Letzteres gilt vor allem für China. Grundsätzlich besteht zum Jahreswechsel Einigkeit darüber, dass sich die Weltkonjunktur in der Spätphase des Zyklus (Aufschwungs) befindet. Als Indikator für die sich abschwächende Wirtschaft wird auch der seit Anfang Oktober rapide abrutschende Ölpreis gesehen.

 

Nach dem guten Aktienjahr 2017 startete auch 2018 für Dividendentitel fulminant. In den ersten Wochen gewannen die Börsen merklich und erreichten vielfach schon Ende Januar ihre Jahreshöchststände, was häufig auch All-Time-Highs waren. So stand der Dax am 23.01. bei 13.576 Indexpunkten (Jahresende 10.558 Punkte,    d. h. ein Verlust von gut 22 % in elf Monaten).

 

Die amerikanische und japanische Börse schafften Anfang Oktober ihre Höchstmarken. Unter anderem notierte der Dow Jones-Index am 03.10. bei 26.951 Punkten auf einem neuen All-Time-High. Getrieben wurden die Kurse in den USA primär durch wenige hochgewichtete Technologietitel und erhebliche Aktienrückkäufe.
Am 22.08.2018 wurde der amerikanische Aktienmarktaufschwung endgültig zum längsten Bullenmarkt der Geschichte (seit 09.03.2009; Definition: kein Rückgang größer 20 % vom letzten Hoch).

 

Die Aktienmärkte entwickelten sich im vergangenen Jahr aber sehr heterogen, dies in erster Linie in der Höhe der am Ende erlittenen Verluste.
Einheitlich war nur der Jahresverlauf, der über drei Quartale stabile bis positive Ergebnisse brachte, dann aber unisono im 4. Quartal zu massiven Einbrüchen führte.
So verlor die amerikanische Börse allein im Dezember gut 10 % und erlebte damit den schlechtesten letzten Börsenmonat des Jahres seit 1931. Auslöser des Dezember-Absturzes waren Äußerungen der FED, die mitteilte, nach ihrer vierten Leitzinserhöhung des Jahres, auch in 2019 mit den Zinserhöhungen fortfahren zu wollen (was zu einem Abwürgen der US-Konjunktur und Kreditausfällen sowie einem Anheizen der Inflation führen könnte) sowie eine Umsatzwarnung von Apple (eine Aktie, die sich in allen Aktienportfolios weltweit befindet und extrem hoch bewertet war).

 

2018 stellte u. a. für die US- und die deutsche Börse letztendlich das Jahr mit den größten prozentualen Rückgängen seit 2008 dar.

 

Einzig russische, indische und brasilianische Aktien sowie die Technologiebörse Nasdaq retteten Zugewinne ins Ziel. Besonders schwach entwickelten sich die asiatischen Aktienmärkte und hier wiederum der chinesische Markt (mit Verlusten von über 25 %) sowie weltweit die kleineren Aktien (Nebenwerte). Hinzu kommen Einzelfälle, wie die massiven Krisenherde Argentinien und Türkei, die beide in heimischer Währung über 20 % abgaben, in Euro über 40 %! In Deutschland verlor der Dax erstmals seit 2011 wieder auf Jahressicht. Dabei gaben einzelne Aktien über 50 % ab, so die Deutsche Bank und die Commerzbank. Alles rund um Autos war ebenfalls negativ belastet, z. B. gaben Daimler – 35 % und Continental – 46 % nach. Die Chemietitel litten unter Sonderthemen wie die Monsanto-Übernahme, derentwegen Bayer 41 % einbüßte.

 

Das seit Jahren andauernde Niedrigzinsniveau machte es weiterhin unmöglich, nennenswerte Wertzuwächse mit Anleihen (guter Qualität) zu erwirtschaften. Im Gegensatz zu 2008 fehlte damit letztes Jahr ein positiver und vor allem „gefahrloser“ Ertrag aus Zinsanlagen. Alle gemischten Anlagekonzepte litten unter diesem Umstand, da sich die Rückgänge am Aktienmarkt unmittelbar in negativen Gesamtergebnissen niederschlugen bzw. nicht durch Zinserträge aufgefangen werden konnten.

 

Mit Staatsanleihen aus Deutschland, Europa und den USA konnte man in 2018 zwar niedrige positive Wertentwicklungen erzielen. Allerdings waren diese meist so gering, dass nicht einmal ein Inflationsausgleich gelang und resultierten nur aus langlaufenden Anleihen bzw. kamen primär erst im letzten Quartal – als sichere Häfen in Folge der Aktienmarktturbulenzen gesucht waren – zustande.
Die Renditen von Geldmarktanlagen und kurzlaufenden Bundesanleihen verharrten auch letztes Jahr im negativen Bereich. Institutionelle Anleger, die bei Banken temporär Mittel „parken“ wollten, mussten also weiterhin „Negativzinsen“ bezahlen.

 

Beachtlich ist der Umstand, dass die Renditen in Deutschland gegenüber dem Jahresanfang per Saldo gefallen sind, während sie in den USA in gleichem Maße anstiegen. Im Jahresverlauf sah die Situation lange gänzlich anders aus. Die Zinsdifferenz zwischen den Wirtschaftsregionen nahm damit 2018 weiter zu.

 

Als Konsequenz eines sehr starken Dollars und der vier Leitzinserhöhungen der FED sowie der Erwartung an weitere Schritte in 2019 lagen 10jährige US-Treasuries im Oktober in der Spitze bei 3,25 % (einem Siebeneinhalbjahreshoch). Deutsche 10jährige Bundesanleihen notierten zum selben Zeitpunkt als Folge der Krisen in einigen Euroländern bei nur etwa 0,6 %.
Besonders zu nennen sind die Renditen in Italien, die für 10jährige Laufzeiten von rund 2,0 % zu Jahresanfang auf in der Spitze über 3,7 % im Oktober anstiegen.
Im 4. Quartal setzte in praktisch allen Ländern eine Gegenbewegung ein, die die Renditen wieder drückten. Ursächlich war die bereits erwähnte Suche nach sicheren Häfen und die Lösung erster kritischer Themen, wie       z. B. die Vereinbarung zwischen Italien und der EU.

 

Die beschriebenen Entwicklungen betrafen allerdings nur die Staatsanleihen. Bei allen Arten von Unternehmensanleihen sind die Zinsen hingegen angestiegen und es kam zu Kursverlusten. Gerade in den USA führten die gestiegenen Zinsen zu Ängsten vor Kreditausfällen.

 

Im Ergebnis ist die von vielen Marktteilnehmern für 2018 erwartete weltweit einheitliche und dauerhafte Zinswende ausgeblieben.

 

Neben den Rückschlägen an den Aktienbörsen im vierten Quartal war das bestimmende Thema des letzten Jahres der gegenüber allen anderen Weltwährungen (außer dem britischen Pfund) schwache Euro. Ursächlich waren die Krisen in einigen Euroländern, die relativ schlechteren Konjunkturdaten der Eurozone und die merklich höheren US-Zinsen.

 

Im Fazit wäre es für Euro-Anleger gut gewesen, außerhalb des heimischen Marktes anzulegen. Ggf. eingesetzte Absicherungen haben mögliche Währungsgewinne zunichtegemacht.

 

Besonders hart hat der starke US-Dollar (neben den Handelsstreitigkeiten) die Schwellenländer getroffen, da diese Regionen ihre Schulden überwiegend in Dollar aufgenommen haben. Hinzu
kamen erhebliche Mittelabflüsse aus den Ländern, da die Investoren die höheren Zinsen in den USA genutzt haben, um Gelder abzuziehen und in amerikanische Anleihen anzulegen.

 

2018 war in der Gesamtschau ein äußerst herausforderndes Kapitalmarktjahr und in mancher Hinsicht noch ungünstiger als das letzte Krisenjahr 2008.
Vereinzelten positiven Anlageergebnissen, z. B. bei Immobilien, standen bis zu zweistellige Verluste in den meisten Assetklassen (in lokaler Währung) gegenüber.

 

Mit kaum einer liquiden Anlageklasse war – ohne Währungsrisiko! – Geld zu verdienen.

 

Der Ausblick für 2019 wird in erster Linie von der Beantwortung und der Lösung der zuvor als Probleme aufgeführten Themen bestimmt. Kommt es hier in der Mehrzahl zu akzeptablen oder sogar überraschend guten Ergebnissen, könnte das nächste Jahr wieder positive Ergebnisse liefern. Im Umkehrschluss könnten aber noch schwierigere zwölf Monaten vor einem liegen, als dies die vergangenen ohnehin bereits waren.

 

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass 2019 die Kapitalmärkte sehr volatil verlaufen und für Anleger daher nicht leicht werden.
Die Weltkonjunktur lässt definitiv nach, wobei es aber zu keiner Rezession kommen sollte, und die Notenbanken haben ihre Anleiheaufkaufprogramme beendet und werden die Liquiditätsflutung weiterhin zurückfahren (die FED hat zwei weitere Leitzinserhöhungen für 2019 angekündigt, die EZB will spätestens 2020 die Zinsen erhöhen).

 

Die negativen Resultate in 2018 haben deutlich an den Risikobudgets vieler institutioneller Anleger genagt, so dass für das neue Jahr der Spielraum für Risikoanlagen aller Art klar geringer ist. Auf der anderen Seite bilden die merklichen Kursrückgänge aus dem abgelaufenen Jahr ggf. auch gute Chancen auf Wertaufholungen.

 

Über allem schwebt weiterhin die hohe Unberechenbarkeit der Staatsführungen z. B. in den USA, China, Türkei oder Arabien, die jede fundierte Prognose oder Markterholung in Frage stellen können. Die im Mai anstehenden Europa-Wahlen könnten auch Konsequenzen für die Kapitalmärkte haben.

 

Für 2018 war man zu positiv gestimmt, eventuell ist man für 2019 zu negativ?

Kapitalmarktentwicklung

1. Januar bis 31. Dezember 2018

Geldmarkt

AnlagesegmentPerformance
31.12.2017
Perfomance
31.12.2018
Euro-Raum-0,33 %- 0,32 %

Aktien (in Euro)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2017
Performance
31.12.2018
Deutschland+ 12,51 %- 18,26 %
Eurozone+ 12,49 %- 13,19 %
Europa+ 10,24 %- 10,94 %
USA+ 6,45 %- 1,13 %
Japan+ 8,91 %- 9,09 %
Schwellenländer+ 20,59 %- 10,58 %
Nebenwerte Europa+ 19,03 %- 14,92 %
Welt+ 7,51 %- 4,81 %

Renten (in Euro)

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2017
Perfomance
31.12.2018
Deutschland- 1,40 %+ 2,33 %
Eurozone+ 0,41 %+ 1,00 %
Europa- 0,29 % + 0,56 %
USA- 9,97 % + 5,61 %
Welt- 6,16 % + 4,07 %
Schwellenländer- 3,15 %+ 0,22 %
Unternehmensanleihen
Euroland
+ 2,41 %- 1,14%
Wandelanleihen Global- 0,66 %+ 0,04 %

Rohstoffe (in USD)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2017
Perfomance
31.12.2018
Öl (Sorte Brent)+ 22,72 %- 24,69 %
Gold+ 13,11 %- 1,52 %

Währung

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2017
Performance
31.12.2018
Euro/US-$ + 14,11 %- 4,39 %
Euro/Yen+ 10,00 %- 7,04 %

Ihre Ansprechpartner

Carolin Müller
Fon +49 40 5078 2973
c.mueller@philips-pk.de

Sabina Wegner
Fon +49 40 5078 2974
s.wegner@philips-pk.de

Luigine Würffel
Fon +49 40 5078 2975
l.wuerffel@philips-pk.de