Aktuelles

vom Kapitalmarkt

per 31.03.2019

 

Ebenso überraschend wie der starke Einbruch der Aktienkurse in den letzten Wochen des alten Jahres (Gründe: Rezessionsängste und Sorgen vor zu stark erhöhten US-Leitzinsen) war die deutliche und schnelle Erholung in den ersten drei Wochen 2019. Nachdem Ende 2018 die Welt „unterzugehen“ schien, herrscht drei Monate später wieder großer Optimismus. Erneut haben insbesondere die Technologietitel (in den USA die „FAANG-Werte“) die Börsen nach oben getragen.

 

Insgesamt stellt die Entwicklung der letzten Wochen an den Kapitalmärkten den größten Stimmungsumschwung ins Positive seit dem Sommer 2012 dar … welcher bis heute anhält.
Allerdings steht die bisherige Wertentwicklung der Börsen in diesem Jahr in einem nicht zu vernachlässigenden Widerspruch zur konjunkturellen Verfassung der Weltökonomie und durchwachsenen Unternehmensnachrichten, was zur Vorsicht mahnt.

 

Folgende Aspekte waren für die rapide Wende an den Märkten verantwortlich.

 

Zum einen ein hundertachtzig Grad Schwenk in der amerikanischen Zinspolitik, die jetzt erneut klar expansive geldpolitische Signale sendet. Im März wurde angekündigt, entgegen den bisherigen Erwartungen, keine weitere Zinserhöhung mehr in diesem Jahr vornehmen zu wollen; nach neun Zinserhöhungen zuvor seit Dezember 2015, davon allein vier in 2018. Bereits im Januar d. J. hatte die FED darauf hingewiesen, „geduldig mit weiteren Zinsschritten sein zu wollen“. Viele Analysten gehen nun sogar davon aus, dass ein nächster Zinsschritt wohl erst in 2021 erfolgt. Sollte es wirklich zu einem merklichen Rückgang der US-Konjunktur kommen, sind auch Zinssenkungen schon in 2020 möglich.

 

Hauptgrund für die neue Zinspolitik war die Erkenntnis, dass die US-Wirtschaft begann, sich einzutrüben, worauf hin die US-Notenbank ihre Konjunkturprognosen kappen musste und die Leitzinserhöhungen aussetzte.

 

Zudem hat die EZB erklärt, in diesem Jahr definitiv keine Zinsen erhöhen zu wollen und vielmehr zu überlegen, den Banken Erleichterungen bei der Verzinsung der Kurzfristliquidität zu verschaffen.

 

Insgesamt ist also klargeworden, dass lange Zeit keine Gefahr von der Zinsseite droht. Dies zusammen mit, speziell in den USA, überwiegend stabilen Wirtschaftsnachrichten, ließ die Aktien deutlich ansteigen. In vielen Fällen wurden dabei die Verluste aus dem 4. Quartal 2018 wieder vollständig aufgeholt.

 

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichtes steht der breite US-Markt kurz vor seinem All-Time-High und die Technologiebörse Nasdaq hat bereits ein neues Allzeithoch erreicht. Der Dax zeigte den besten Jahresauftakt der letzten vier Jahre und für die US-Börse war das 1. Quartal 2019 das beste seit mehr als 20 Jahren!

 

Beachtlich ist der Umstand, dass der Stimmungsumschwung an den Märkten trotz Brexit-Diskussionen, Handelsstreitigkeiten, Protektionismus und einem merklich angestiegenen Ölpreis zustande kam. Alles Argumente, die 2019 noch als Gründe für nachgebende Kurse angeführt wurden. Auch dieser Punkt sollte in der näheren Zukunft beachtet werden.

 

Für Anleger mit Zinsversprechen waren die Äußerungen und Nicht-Beschlüsse der Notenbanken hingegen Gift, da die erhofften Zinssteigerungen weiterhin ausbleiben werden. Die zwischenzeitlich erreichten, moderat höheren, Zinsen haben nach der FED-Sitzung im März wieder zügig nachgeben. Deutsche zehnjährige Bundesanleihen notierten am Ende des Berichtsquartals mit – 0,9 % nach Herbst 2016 sogar wieder im negativen Renditebereich (vor einem Jahr im März 2018 notierten die Papiere noch bei + 0,67 %). Schlechtere Wirtschaftsnachtrichten und die Suche nach „sicheren Häfen“ unterstützten diese Entwicklung der letzten Wochen zusätzlich.

 

Im Ergebnis hat sich die Zinsdifferenz zwischen der Eurozone und den USA weiter ausgeweitet, was neben der unterschiedlichen Notenbankpolitik auch eine Folge der jeweiligen Wirtschaftsdynamik ist.

 

Vor dem Hintergrund der bestehenden großen Zinsdifferenz, der neuen Sichtweise auf die zukünftige Zinsentwicklung, mäßigen Konjunkturnachrichten aus der Eurozone (z. B. Ifo-Index) und politischen Unsicherheiten (Italien, Gelbwesten-Proteste, Wahlen) ist es verständlich, dass sich der Euro ggü. dem Dollar nicht erholen konnte, sondern vielmehr per Saldo nach dem 1. Quartal weiter verloren hat. Auch ggü. allen anderen Weltleitwährungen hat der Euro nachgegeben, da bis auf Weiteres US-Dollar, Yen und Schweizer Franken eindeutig mehr als sichere Häfen gelten als der Euro.

 

Mangels größerer Krisen waren Edelmetalle, außer Palladium mit + 100 % in den letzten acht Monaten! (Katalysatoren für Autoindustrie bzw. Ersatz von Platin), in 2019 bisher keine guten Anlagealternativen.
Andere Rohstoffe, z. B. Kupfer, waren insgesamt hingegen gesucht, da sie von einer Belebung gerade der chinesischen Konjunktur profitierten sollten.

 

Nach dem überaus guten 1. Quartal herrscht nun auch für die kommenden Monate ein Positivszenario vor, was eher untypisch für den Spätzyklus der Weltkonjunktur ist. Eigentlich sollte diese Phase von größeren Marktschwankungen begleitet werden.

 

Basierend auf den folgenden Hoffnungen/Erwartungen werden Marktschwankungen oder größere Einbrüche aber derzeit nicht mehr/kaum noch gesehen:

 

  • Die Notenbank in den USA hat Ihre Zinspolitik trotz starker Arbeitsmärkte und hoher Kapazitätsauslastung geändert, um einem befürchteten Sinken der Inflation entgegenzuwirken und den laufenden Konjunkturzyklus am Leben zu halten. Sofern nötig, wird die FED die Zinsen auch wieder senken.
  • Diverse Stützungsmaßnahmen der Regierung sollten zu einer Stabilisierung der Wirtschaft in China führen. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist und bleibt von entscheidender Bedeutung für die Weltkonjunktur.
  • In Europa, speziell auch in Deutschland, sollten negative Sondereffekte, Auto-, Chemie-, Bankenbranche, im Zeitverlauf abnehmen.
  • Der politische Gegenwind der Kapitalmärkte wird generell abnehmen, da u. a. ein kurzfristiger ungeordneter Brexit vom Tisch ist und im US-China-Handelsstreit zumindest aktiv gesprochen bzw. nach einer Lösung gesucht wird.
  • Viele Marktteilnehmer sind aufgrund des letzten Quartals 2018 unverändert (zu) vorsichtig positioniert bzw. halten eine höhere Liquidität vor. Je länger die positive Phase an den Börsen andauert, desto mehr steigt der Druck, auch kaufen zu müssen.

 

Damit sich der positive Trend bei Aktien aber tatsächlich fortsetzen kann, müssen die schon weit vorgelaufen Bewertungen (Kurs-Gewinn-Verhältnisse) in den nächsten Wochen durch entsprechende Gewinnnachrichten der Unternehmen untermauert werden. Hier ist das Bild in der derzeitigen Berichtssaison allerdings eher gemischt.

 

Eine nachhaltige Stütze der Börsen ist andererseits die anhaltend hohe globale Aktienrückkaufwelle, was allerdings nicht unbedingt für eine innovative nachhaltige Politik der betroffenen Unternehmen spricht.

 

Die größte Unsicherheit an den Märkten in diesen Wochen ist die Sorge vor der stark gestiegenen Verschuldung der Länder und Unternehmen. In den USA haben die Schulden der Unternehmen zwischenzeitlich mit 45 % des BIP ein Rekordhoch erreicht! Die niedrigen Finanzierungskosten wurden in der Mehrzahl genutzt, um mehr „billige“ Schulden aufzunehmen, anstatt zu konsolidieren. Im Falle steigender Zinsen und / oder nachlassender Konjunkturen drohen hier ggf. Kreditausfälle in großem Ausmaß.

 

Abschließend besteht das Problem, dass die Märkte aktuell die niedrigen Zinsen positiver bewerten als die unsicheren Wirtschaftsaussichten. Sollte es in dieser Betrachtung zu Veränderungen kommen, kann es schnell mit den (Aktien-)Kursen nach unten gehen … siehe Ende 2018.

Kapitalmarktentwicklung

1. Januar bis 31. März 2019

Geldmarkt

AnlagesegmentPerformance
31.12.2018
Perfomance
31.03.2019
Euro-Raum-0,32 %- 0,07 %

Aktien (in Euro)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2018
Performance
31.03.2019
Deutschland+ 18,26 %+ 9,16 %
Eurozone+ 13,19 %+ 11,93 %
Europa+ 10,94 %+ 12,84 %
USA- 1,13 %+15,80 %
Japan- 9,09 %+ 8,59 %
Schwellenländer+ 10,58 %+ 11,90 %
Nebenwerte Europa+ 14,92 %+ 14,20 %
Welt- 4,81 %+ 14,51 %

Renten (in Euro)

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2018
Perfomance
31.03.2019
Deutschland+ 2,33 %+ 2,15 %
Eurozone+ 1,00 %+ 2,56 %
Europa+ 0,56 % + 3,53 %
USA+ 5,61 % + 4,04 %
Welt+ 4,07 % + 3,66 %
Schwellenländer+ 0,22 %+ 8,89 %
Unternehmensanleihen
Euroland
- 1,14 %+ 3,14 %
Wandelanleihen Global+ 0,04 %+ 5,35 %

Rohstoffe (in USD)

AnlagesegmentPerformance
31.12.2018
Perfomance
31.03.2019
Öl (Sorte Brent)- 24,69 %+ 35,56 %
Gold- 1,52 %+ 0,70 %

Währung

AnlagesegmentPerfomance
31.12.2018
Performane
31.03.2019
Euro/US-$ - 4,39 %- 2,20 %
Euro/Yen- 7,04 %- 1,05 %

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